Eduard Göth

Oberlehrer. Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Hingerichtet.

* 1898    † 1944

 

Lebenslauf

Eduard Göth wurde am 3.2.1898 in Wien geboren. Er war Oberlehrer in Hinterbrühl (Niederösterreich). Eduard Göth war verheiratet und Vater zweier Kinder.

Revolutionärer Sozialist, Aufbau einer Widerstandsorganisation

Eduard Göth gehörte zu einer Gruppe der revolutionären Sozialisten um Dr. Johann Otto Haas, und war beim Aufbau einer Widerstandsorganisation entlang der Westbahnstrecke aktiv.

Widerstand, Verhaftung, Todesurteil

Am 7. 8. 1942 wurde Eduard Göth verhaftet und am 15. 12. 1943 gemeinsam mit Dr. Johann Otto Haas (hingerichtet) zum Tode verurteilt. Am 13.3.1944 erfolgte seine Hinrichtung im Landesgericht I in Wien.

Der Wr. Neustädter Widerstandskämpfer K. Flanner saß mit ihm in einer Zelle des LG I Wien und erinnerte sich

„Eduard Göth war Vater zweier kleiner Kinder, an denen er mit seiner ganzen väterlichen Liebe hing. Wie oft hatte er mir von ihnen erzählt! Als er mir deren Lichtbilder zum ersten Male zeigte, bebte seine Stimme und seine Augen waren nass. Nun kramte er aus seiner Schachtel einige Buntpapierschnitzel hervor, klebte für sie einen Baum, dahinter einen Berg mit einer weißen Wolke und unter dem Baum eine grüne Wiese mit vielen Blumen. Dann schrieb er etwas Liebes auf das Bild. ’Darfst du das hinaus schicken?‘ ’Nein, aber der Aufseher mit den starken Augensäcken nimmt das mit hinaus. Meine Schwiegermutter holt das dann von ihm und gibt ihm dafür reichlich Butter und Eier. Er ist ein Schuft. Er verlangt immer mehr und mehr.‘ ’Wo kriegst du heute noch Butter und Eier‘. ’Sie muss dafür viel Geld zahlen. Und ich muss ihm noch dafür dankbar sein, wegen der Kinder. Meine Frau ist vor einigen Wochen gestorben ...‘ Und wieder erstickte unterdrücktes Schluchzen seine Worte. Dann nahm er das bereits gepresste Gänseblümchen a. d. Buch und befestigte es sorgsam auf dem Briefpapier.“

Aus dem Sterbebuch

„Trotzki-Anhänger. Ist ein Gottsucher und findet keinen Ausweg und Klarheit, doch schließlich erweckt er mit Ob. Pf. Köck Reue u. erhält von ihm die Generalabsolution.“

Gedenkstein, Gedenktafel

Sein Name findet sich auf einem Gedenkstein am Friedhof in Blumau; ebenso auf einer Gedenktafel der SPÖ am städtischen Friedhof Mödling.

Gedenkort - Landesgericht für Strafsachen Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgericht für Strafsachen Wien findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Quellen und Bildnachweise

  • Texte aus Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer". 4. Auflage Wiener Stern Verlag, 2017
  • Bühnenbild Guillotine: Leihgeber Kurt Brazda
  • Alle anderen Bilder: Privatbesitz / Verein Zur Erinnerung

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

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